By Marianne Pieper, Thomas Atzert, Serhat Karakayali, Vassilis Tsianos

Im Anschluss an Michel Foucault formierte sich eine Debatte um den Begriff der Biopolitik, die diesen als Einsatz einer kritischen "Analytik der Gegenwart" konzipiert, um Spiele der Macht zu untersuchen. Der vorliegende Band bietet das keineswegs homogene Bild der gegenwärtigen Diskussion, die sich mit Foucault und über diesen hinausweisend einer produktiv gewendete ? Biopolitik von unten? verpflichtet sieht. Biopolitische Produktion bezeichnet vor diesem Hintergrund das Terrain der Kämpfe um Subjektivität, um die Arten und Weisen der Verbindung zwischen Lebensführung, Konsum, Sexualität, politischer Repräsentation und Produktionsweise. Diese Forschungsprogrammatik zielt darauf, das Produktive, cellular und Überschüssige im Herzen der Biopolitik und im Vakuum von Kontrolle, Regulierung und (Selbst-)Regierung auszuloten.

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Wie wirkt ein Medikament oder ein reward in der Zelle? Thomas Efferth spannt einen Bogen von den allgemeinen Grundlagen der Pharmakologie und Toxikologie zu den molekularen Wirkmechanismen der wichtigsten Medikamente und Gifte. Aktuelle Themen wie Gentherapie, Immuntherapie und Stammzelltherapie behandelt er ebenso wie Pharmakogenetik und –genomik oder systembiologische Ans?

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Im Faschismus ¿ndet sich diese pervertierte Vorstellung der konstituierenden Macht, bar jeder Lebendigkeit, als reine Negativgestalt der cupiditas und dadurch all ihrer Möglichkeit beraubt, eine Alternative zur Moderne zu sein. 7 Wo es der Anomalie nicht gelingt hegemonial zu werden, bleibt als Alternative zur Utopie einzig die brutale Gewaltanwendung: Das ist das zynische Credo der faschistischen Entstellung des Konzepts konstituierender Macht. Doch kehren wir zu unserer Frage zurück, was es bedeutet, in der Perspektive konstituierender Macht mit dem Rationalitätsmuster der Moderne zu brechen.

Bei Spinoza ist es die cupiditas, die, sobald sie gesellschaftlich wird, die Vorzeichen der Existenz ändert, Egoismus zu Großmut, Großmut zu Liebe wendet – einer Liebe, die zum Schlüssel der Welt wird, in ihrem progressiven Heraustreten aus dem Naturzustand. Bei Marx gehen aus dem revolutionären Prozess die neuen Voraussetzungen der Existenz und der Menschenwelt hervor, der Naturzustand selbst ist auf den konstituierenden Willen verwiesen. Und doch: Selbst der außergewöhnlichen Melange kritischer und konstruktiver Momente gelingt es nicht, über jenen entscheidenden Punkt der jüdisch-christlichen Tradition hinauszukommen, an dem jegliche Erfahrung auf die Erfahrung der Einheit zurückgeführt wird.

Die moderne politische Philosophie erwächst nicht aus der Administration, sondern aus der Angst. Ihre Rationalität ist instrumentell, insofern sie der Ordnung dient und auf Seiten der Repression steht. Die Angst ist Ursache, die Repression Folge der instrumentellen Vernunft. Die Moderne negiert jegliche Möglichkeit der Multitude, sich als Subjektivität zu äußern. Eine erste De¿nition der Moderne besteht genau darin. Es ist weder merkwürdig noch überraschend, dass der konstituierenden Macht keinerlei Raum belassen wird.

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